Auf geht’s – der Reha-Podcast Folge 127: Das Wohnen im Alter: Schwierigkeiten und Lösungen

Die heutige Sendung behandelt das Wohnen im Alter. Zur Gast ist die Fachexpertin und Psychologin Jana Wallrath aus Hamburg. Zunächst legt sie Fälle aus ihrer Berufserfahrung als Reha-Managerin dar, die ihr einen besonders beindruckenden und berührenden Einblick in die Situation älterer Menschen gegeben haben, die plötzlich ihre jahrzehntelang geführte Wohnung verlassen müssen. So musste beispielsweise eine 92-jährige Frau nach der Reha ihre Wohnung aus den 1940er Jahren zurücklassen und in ein Heim ziehen. Bei diesem ganzen Prozess unterstützte Frau Wallrath die Betroffene und bekam so hautnah alle Schwierigkeiten mit, als eine lebenslustige, selbstständige Frau unvorhergesehen ihre gewohnte Umgebung verlassen und sich wohnlich sehr einschränken musste.

Es gibt verschiedene Ansätze zum Thema Wohnen im Alter. So hatte etwa der ehemalige Bürgermeister Bremens, Henning Scherf, die Idee von Wohnprojekten, in welchen jungen und alten Menschen zusammen unter einem Dach leben. Die Fachexpertin Frau Wallrath begrüßt grundsätzlich diesen generationsübergreifenden Vorschlag, der auch von vielen älteren, betroffenen Bürgern gewünscht wird. Frau Wallrath erläutert, dass es diesbezüglich sowohl Eigentum- als auch Mietwohnprojekte im Angebot gibt. Jedoch ist der große Nachteil, dass Interessenten bereits frühzeitig Vorbereitungen treffen müssen und somit diese Pläne nicht einfach umzusetzen sind. So ist es ratsam bereits mit Anfang 60 erste Schritte einzuleiten, da die Verwirklichung eines solchen Wohnprojekts fünf bis zehn Jahre 

dauert. Eine funktionierende Gemeinschaft mit jungen und alten Bewohner sowie unterschiedlichen sozialen Hintergründen funktioniert nur, wenn man sich lange genug kennt und das Miteinander wachsen kann.

Frau Wallrath definiert den viel genannten Begriff „betreutes Wohnen“ genauer, der im Prinzip das Bewohnen einer Mitwohnung mit einem Pflegedienst darstellt. Grundsätzlich ist dies eine sehr begrüßenswerte Wohnform im Alter, die jedoch noch viel Selbständigkeit verlangt.

Generell steigt die Pflegebedürftigkeit im Alter. Doch die Expertin legt dar, dass es teilweise Möglichkeiten gibt, sich auf die Situation, zum Beispiel durch die Wahl des Wohnraums, vorzubereiten. Dieser sollte zentral sein, möglichst wenige Hindernisse beim Zugang besitzen und eine sinnvolle Gestaltung haben, wie etwa einen leicht erreichbaren Aufzug. Zudem spielt die soziale Komponente eine wichtige Rolle. Eine gute Vernetzung mit Nachbarn, Familie und Freunden sowie ein aktives soziales Leben sind unverzichtbar.

Ein weiteres Schlagwort ist die „Inklusion“: So werden Menschen mit Einschränkungen Zugänge geschaffen, um ihr Leben zu erleichtern. Aus ihrer Erfahrung weiß Frau Wallrath zu berichten, dass dies im öffentlichen Raum gut umgesetzt wird, beispielsweise mit barrierefreien Eingängen. Im privaten Wohnungsbau ist die Inklusion in Hamburg erst seit 10 Jahren im größeren Umfang gesetzlich verankert. So müssen Erdgeschosswohnung barrierefrei ab sechs Parteien gestaltet werden. In ländlichen Gegend wie beispielsweise dem Emsland stellt sich die Wohnsituation für Menschen mit Einschränkungen schlechter dar. Häufig sind Umbaumöglichkeiten älterer Häuser durch die Bausubstanz eingeschränkt. Die Expertin rät, schon frühzeitig die eigene Wohnsituation und baulichen Gegebenheiten genauer anzusehen, um Ängste vor Veränderungen beim Wohnen im Alter zu minimieren.

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Schlüsselwörter:
Betreutes, Wohnen, Alter, Älterwerden, Inklusion, Wohnprojekt, Pflege,  Pflegebedürftigkeit