Auf geht’s – der Reha-Podcast Folge 141: Was macht eigentlich ein Ergotherapeut?

v. l. Jörg Dommershausen, Frieso Wilms

Die heutige Sendung behandelt das Thema Ergotherapie. „Ich gehe dahin und dann knete ich so ein büschen mit der Knete und dann ist gut!“ Dies ist die typische Vorstellung von einer Ergotherapie. Doch das Behandlungsspektrum geht weit über das Trainieren von Alltagsbewegungen nach einem Schlaganfall oder Schädelhirntrauma hinaus. Der praktizierende Ergotherapeut Frieso Willms aus Aurich erläutert, dass alle Altersgruppen das Angebot einer Ergotherapie in Anspruch nehmen. Dabei ist der Behandlungsinhalt so vielfältig wie die Beschwerden. Beispielsweise wird der Gehlernprozess unterstützt und bei muskulären Disbalancen geholfen. Die muskuläre Disbalance beschreibt unterschiedliche Spannungszustände von Muskeln im Körper, welche eine synchrone Bewegung sehr erschweren.

Frieso Willms beschreibt hierzu ein praktisches Beispiel: „Der Rücken ist zum Beispiel schief, weil es muskulär auf der einen Seite eine höhere Spannung gibt als auf der anderen Seite.“ Weitere Bestätigungsgebiete umfassen die Gruppenarbeit im Kindergarten, die Behandlung von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) oder ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung) sowie Vereinstraining mit Eltern und Kindern. Früher gab es die Möglichkeit, Kindern mit ADHS-Symptomen durch viel Bewegungsfreiheit und Spielmöglichkeiten im Freien zu helfen. Dies ist heutzutage oftmals nicht mehr möglich, zudem sind die Leistungsansprüche an Kinder deutlich höher. Die Aufgabe des Ergotherapeuten ist es, in Kindergärten und Schulen alle Beteiligten miteinzubeziehen. Er klärt die Erzieher, Lehrer und andere Kinder über das Krankheitsbild auf. Zudem findet ein Austausch mit den Erziehern und Lehrkräften statt, wie durch Prävention eine Therapie von Kindern verhindert werden kann.

In der Erwachsenenarbeit ist neben der Verbesserung des Handicaps auch ein Ziel, den Alltag mit der vorhandenen Behinderung möglichst ohne Probleme bestreiten zu können. Besonders bei einer gestörten Feinmotorik reichen oftmals recht einfache Mittel, um wirksam Erfolge zu erzielen: Eine einfache Wäscheklammer reicht aus, um verschiedene Drücke und Fingerstellungen auszuprobieren und einzuüben. Die Fortschritte werden so schnell sichtbar und der Patient bekommt das Gefühl, „Es tut sich etwas“.

Für die Auswahl eines geeigneten Ergotherapeuten empfiehlt Frieso Willms, vor allem im persönlichen Umfeld nachzufragen. Persönliche Erfahrungen sind meist höher einzuschätzen als Bewertungen im Internet, die zudem auch manipulierbar sind. Falls die Fortschritte in der Therapie für den Patienten nicht zufriedenstellend sind, rät der Experte aus Ostfriesland, zunächst das Gespräch mit dem Therapeuten zu suchen. Sollte dies keine Verbesserungen bringen, können der Therapeut und die Praxis ohne weiteres gewechselt werden.

In der Ergotherapie findet als Hilfsmittel auch ein handelsüblicher Spiegel Verwendung. Nach einem Schlaganfall wird so die betroffene Seite stimuliert. Mit der Spiegeltherapie wird dem Gehirn vorgegaukelt, dass die betroffene Seite ordnungsgemäß funktioniert. Mit dieser Wahrnehmung verbessert sich der Bewegungsablauf.
Ein weiteres Betätigungsfeld stellt die Beratung am Arbeitsplatz dar. Oftmals reichen nur kleine Hilfsmittel, um einen Arbeitsablauf wieder effektiv ausführen zu können. Im Gegensatz zur gängigen Meinung vieler Unternehmen sind viele Maßnahmen einfach umzusetzen und verursachen wenig Kosten.

Für Kinder, die an Gleichgewichtsproblemen leiden, ist es für die Verbesserung des Bewegungsablaufes wichtig, die Körperwahrnehmung und das Spürempfinden zu erhöhen. Sollte das Kind an einer Konzentrationsschwäche leiden, so sind spielerische Elemente wie etwa Memory mit sichtbaren Erfolgen sehr sinnvoll. Zudem sollte auch immer das Umfeld, insbesondere die Eltern, miteinbezogen und sinnvolle Tipps für zu Hause gegeben werden.